Von echten und falschen Winterlichtern (05.01.16)

Wer in der Silvesternacht draußen war, konnte gegen 23 Uhr am östlichen Horizont den fast gleichzeitigen Aufgang von Jupiter und Mond mitverfolgen. Weitere drei Planeten grüßten den Neujahrsmorgen: Saturn im Sternbild Schlangenträger, Venus im Sternbild Waage, und Mars im Sternbild Jungfrau. Der Große Wagen steht am Nordosthimmel senkrecht auf seiner Deichsel. Gegen Ende Januar zeigen sich am Morgenhimmel fünf Planeten der Reihe nach. Ein Highlight. 

Die Lichter des Bürgermeisters

Seit Wochen schon leuchteten sie ungehindert von oben, die Sterne, ohne dass Wolken sie verhängten. Hin und wieder rieselten bei Einbruch der Nacht ein paar Schneeflocken über die Außenmauer der Landesfürstlichen Burg in Meran, keine echten. Es huschten da im Lichtkegel, neben Elfen und Hexen, auch einige historische Gestalten als computergenerierte ‚Markenzeichen‘ Tiroler Geschichte über das spärlich erhellte Gemäuer, untermalt von dachseitig ausgestrahlter Ritzenmusik. Und die wenigen, in der Kälte postierten Neugierigen warteten nach zehn Minuten immer noch auf den Teletext dazu. Da war aber das als bahnbrechend angekündigte Video Mapping ‚Winterlichter‘ auch schon gelaufen. Tutto qua? - Luci d’inverno per quattro gatti. Für die ‚spektakulären 3D-Effekte‘ fehlte nur noch die Brille. Da lob ich mir die richtigen Winterlichter, hoch oben. Aber wer kommt schon dazu, groß hinaufzuschauen, wenn rundum alles glitzert und glimmert?

Vis-à-vis der ‚dynamischen Projektionsfläche‘ der Burg, am Hintereingang des Gemeindegebäudes, prangt sinnigerweise das Schild ‚Bürgermeister‘. Herr Rösch hatte wohl Wichtigeres zu tun, als sich 'die über den einstigen Stadtsitz der Tiroler Landesfürsten gelegten Bilder‘ (zitiert aus der Ankündigung des Spektakels) zu Gemüte zu führen. Schließlich erhoben sich letzthin vermehrt kritische Stimmen zu seinem Tun und Lassen. Dazu dürften auch die echten ‚Winterlichter‘ etwas zu sagen haben. Die Sterne des BM wurden an dieser Stelle bereits im vergangenen Frühjahr (Ausgabe 05/15, siehe unter 'Sternstunden' #Neue Horizonte) kurz ins Spiel gebracht. Die verlautete Geburtszeit von 7 Uhr ist nicht gesichert. Sollte Paulchen am 20.11.1954 wirklich ‚beim Betläuten‘ geboren sein (siehe Horoskopgrafik), stünde der Planet Neptun aktuell an der Himmelsmitte (MC) des Geburtshoroskops, im Zeichen Fische. Dies entspricht einer Berufung, die sich intuitiv den Gegebenheiten anpasst und daher leicht die Richtung wechselt. Krisensituationen lassen sich dabei mit Gottvertrauen bewältigen. Als grüner Sozialdemokrat dürfte Rösch weiterhin den Segen von oben haben, zumal Neptun die comunity verkörpert und den mitfühlenden Krebs-Aszendenten harmonisch einbindet. Der kämpferische Mars läuft in den kommenden zwei Monaten durch das stark besetzte Skorpion-Zeichen und verweist damit auf eine politisch zunehmend härtere Gangart. Paul kann es also knallen lassen – und dies nicht nur zu Silvester. 

Musik der Sterne

Zum sich anbahnenden neuen Kalenderjahr hat kürzlich ein einheimischer Astrophysiker im RAI Südtirol-Morgengespräch einmal mehr erklärt, dass die Sterne keinen Einfluss auf den Charakter hätten. Damit dürfte er nur insoweit Recht haben, als dieser ‚gefühlte‘ Einfluss physikalisch nicht messbar ist. Auf feinstofflicher Ebene kann er dennoch wirksam sein. Wäre etwa Musik nur als eine Anhäufung von registrierten Schwingungen erfahrbar, würde sie wohl keine Menschenseele bewegen.

Glücklich zu sein, ist nicht das Wichtigste im Leben, sondern lebendig zu sein, sagte der legendäre Sozialpsychologe Erich Fromm. Auf ein lebendiges neues Jahr!