Der Tierkreiszeichenmensch

„Homme anatomique“ aus dem Stundenbuch des Duc de Berry „Les Très Riches Heures“, anno 1416 (Rund um die Darstellung des Menschen sieht man die Tierkreiszeichen. Von oben links gegen den Uhrzeigersinn: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische - auf den Körper gespiegelt.)

Für die endlosen Wartezeiten im öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes scheint weiterhin keine Lösung in Sicht. Die folgende Sternzeichen-Betrachtung könnte derweilen helfen, auf ungewohnte Weise eine kleine Nabelschau zu halten. Sie weckt die kollektiven Selbstheilungskräfte und kann zum bewussteren Umgang mit dem eigenen Körper anregen.

Der ‚Anatomische Mensch‘ zeigt die traditionelle Zuordnung der astrologischen Prinzipien zu den verschiedenen Körperteilen, entsprechend den zwölf Sternzeichen. Die Zuordnung fußt auf der Idee der Analogie. Sie ist die wichtigste Grundidee zum Verständnis von astrologischen Zusammenhängen und geht von einem holistischen Weltbild aus, in dem der Kosmos als große Ordnung wirkt. Dieser Gedanke klingt selbst in den Worten des Vater unser an, wo es heißt „ … wie im Himmel, so auf Erden“.

Dieses zeitlose Kunstwerk aus dem Spätmittelalter zeigt den Menschen in den astrologischen Kosmos gestellt. Der Kopf ist dem Widder zugeordnet, die Hals-/Nackenpartie dem Stier, die Arme und Hände sowie die Lunge den Zwillingen, Brust und Magen dem Krebs, dem mütterlich-nährenden und pflegenden Prinzip. Herz und Rückgrat wiederum sind dem Löwen zugeordnet, im übertragenen Sinne auch als Symbol unserer Persönlichkeit und Integrität. Wenn wir Rückenschmerzen erleiden, können wir uns fragen, wo wir uns verbiegen mussten, wo wir nicht aufrichtig und aufrecht waren. Die Verdauungsorgane sind der Jungfrau zugeordnet. Wenn uns etwas an die Nieren geht, sind wir in unseren Beziehungen irgendwie aus dem Gleichgewicht (Waage) geraten. Die Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane werden dem Skorpionzeichen zugeordnet, somit auch die Sexualität. Über Leber und Hüfte regiert der Schütze. Verkalkungen im Knochenbau sowie Verhärtungen im seelischen Bereich können auf der körperlichen Ebene zu Knieproblemen oder Versteifungen führen (Steinbock). Das Wassermann-Prinzip steht für das sogenannte Ver-rückt-sein, den Sprung aus der Norm. Den Füßen sind schließlich die Fische zugeordnet, die als letztes Tierkreiszeichen den Kreis schließen und uns über die Sehnsucht nach Erlösung mit dem Göttlichen verbinden. Die letzte Wegstrecke in der Bewusstwerdung unseres Menschseins verlangt Demut und Opferbereitschaft.

Die Zuordnungen der Sternzeichen zu entsprechenden Erkrankungen sind keinesfalls zwingend. Allenfalls weisen sie auf Schwachstellen hin, die leicht aus dem Gleichgewicht geraten, erblich oder durch ungesunde Lebensführung bedingt. Die Betonung eines Zeichens erschöpft sich nicht im Sonnenstand, es zählen ebenso die Mondstellung, der Aszendent und die restlichen Planeten. Eine Häufung im gleichen Zeichen, Stellium genannt, ist besonders prägend. Generell ist das Grundtemperament richtungsweisend. So neigen beispielsweise die Feuerzeichen (Widder-Löwe-Schütze) prinzipiell zu Kreislaufbeschwerden, die Luftzeichen (Zwillinge-Waage-Wassermann) zu nervösen Störungen, die Erdzeichen (Stier-Jungfrau-Steinbock) zu Verdauungsbeschwerden, die Wasserzeichen (Krebs-Skorpion-Fische) zu psychischen Leiden. In Wirklichkeit überwiegen die Mischformen, mit persönlicher Note.

Der ‚Tierkreiszeichenmensch‘ als ein zeitloses Kunstwerk der Astrologie und Bestandteil eines christlichen Stundenbuches ist ein Beispiel dafür, dass Astrologie, Biologie und Religion sich in spiritueller Hinsicht ergänzen und bereichern können. Damals wie heute.